Computereinsatz im Legasthenietraining?

Der Computereinsatz kann beim Legasthenietraining zu Hause eine wichtige Rolle spielen.

Fast alle Kinder erliegen der Faszination des Computers. Der Zugang zu diesem Medium ist für legasthene Menschen meist besonders leicht fassbar. Die elektronische Welt mit ihren bildhaften Darstellungen ist überwiegend eine Welt der rechten Hirnhälfte, und in ihr sind Legastheniker besser zu Hause. Diese Tatsache kann man sich beim Legasthenietraining zunutze machen. Kinder üben und erarbeiten auch schulische Themen am Computer besser, schneller und mit viel mehr Freude. Die gleichen Tätigkeiten am Papier sind oft langweilig, anstrengend und ermüdend. Eine weitere Beobachtung bei Kindern zeigt, dass ihre Aufmerksamkeit am Computer wesentlich länger anhält als beim herkömmlichen Lernen. Selbst, wenn sie mit Buchstaben arbeiten, was normalerweise zu einem Aufmerksamkeitsverlust führt, müssen sie hier kaum zur Aufmerksamkeit gerufen werden. Sie sind automatisch aufmerksam.

Auch beim Lesen-Üben bringt der Computereinsatz Vorteile. Sehr bald entdeckt das legasthene Kind, dass es im Umgang mit dem PC auch lesen muss. Das Lesen am Computer ist jedoch weitaus lustbetonter als im Buch. Zudem nimmt das Kind die Anstrengung gerne auf sich, um dadurch zum Beispiel bei einem Spiel weiterzukommen. So ist es möglich, die Kinder über den Computer zum Lesen zu bringen.

Die Tastatur, die ja zum PC gehört, bringt auch Vorteile beim Schreiben für legasthene Menschen. Die Buchstaben sind immer an der gleichen Stelle. Dies hilft besonders Leuten, die unter räumlichen Problemen leiden. Zudem fördert das beidhändige Eintippen die Zusammenarbeit beider Gehirnhälften. Auch hilft der Umgang mit der Maus Menschen mit feinmotorischen Schwierigkeiten, spielerisch ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Motivierend für viele legasthene Menschen ist, dass ihre "Schrift" die auf Papier ja oft starken Schwankungen unterworfen ist, am Computer immer gleich aussieht. Auch die Möglichkeit, die automatische Rechtschreibprüfung im Textprogramm zuzuschalten ist oft sehr hilfreich.

Kontrollierte Versuche haben gezeigt, dass legasthene Kinder am PC ganz von sich aus mehr und schwierigere Wörter beim Aufsatzschreiben verwendeten, und dass auch solche mit erwiesenen Abweichungen in der linken Gehirnhälfte keine Schwierigkeiten mit Computerspielen hatten.

Bei all diesen offensichtlichen Vorteilen des Computereinsatzes beim Legasthenietraining ist es natürlich wichtig, diesen Einsatz sinnvoll zu gestalten!

Der Computer ist kein Lehrerersatz, sondern nur ein Hilfsmittel. Die Übungen sollen gezielt unter individueller Anleitung geschehen.

Auch ist es notwendig, eine zeitliche Begrenzung des täglichen Computerumgangs zu setzen. Schließlich soll der PC nicht zu Vereinsamung, Bewegungsarmut und anderen Nachteilen führen!

Natürlich soll nur geeignete Software zur Verfügung gestellt werden!

Computerprogramme können kein individuelles Legasthenietraining ersetzen, jedoch sinnvoll ergänzen. Dies können Sie sich zu Hause zunutze machen, und auch beim Legasthenietraining, zu dem Ihr Kind zu mir kommt, setze ich ab und zu den Computer ein. Von einer 60-minütigen Trainingseinheit werden dabei nie mehr als 15 Minuten am Computer verbracht, und dann natürlich auch nie alleine, sondern zusammen mit mir.